DE EN

Januar 2017

Lingener Unternehmen ziehen Auszubildende aus ganz Deutschland an

Die BP bildet in ihrer Lingener Raffinerie rund 60 Azubis und Studierende aus und ist damit einer der größten Ausbildungsbetriebe der Region

Noch nie standen Schulabsolventen nach dem Empfang ihrer Abschlusszeugnisse mehr Türen offen als heute: Duale Ausbildung, Studium an Uni, FH oder Berufsakademie, duales Studium, Work & Travel in Australien, freiwilliges soziales Jahr. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Wenn Unternehmen junge Menschen für eine Karriere in ihrer Branche begeistern wollen, müssen sie sich heute etwas einfallen lassen. In einigen Regionen Deutschlands können heute nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzt werden. In Lingen an der Ems ist das anders, wie das Beispiel der BP Lingen mit ihrer Raffinerie am Standort zeigt.

News Lingener Raffinerie Gross

Nach ihrem Abitur entschied sich Larissa Arnken für ein Duales Studium am Lingener Standort der BP. Das ist heute schon fast drei Jahre her. Gerade hat sie ihre Bachelorarbeit eingereicht, steht also kurz vor dem Abschluss ihres Studiengangs, Chemische Prozesstechnik. „Ich wollte mich nicht zwischen Ausbildung und Studium entscheiden. Als ich von der Möglichkeit des dualen Studiums bei BP gehört habe, habe ich mich sofort beworben“, erinnert sich die heute 21-Jährige. Pro Semester verbringt sie zehn Wochen auf dem Campus. „Der Campus ist ganz neu – da gehe ich gerne hin“, sagt sie. Danach geht’s in die sogenannte Praxisphase ins Unternehmen. Bei BP lernen die dualen Studenten in jeder Praxisphase eine andere Fachabteilung kennen.

Nach sechs Semestern hat sie so das ganze Unternehmen kennengelernt. Noch vor Beendigung ihres Studiums hat die junge Lingenerin einen Zweijahres-Vertrag bei BP unterschrieben. Sie wird dabei helfen, die Prozesse der Raffinerie weiter zu optimieren und die gewünschten Produktausbeuten in der Kokerdestillation zu erzielen, wie sie selbstbewusst sagt. Genau mit dieser Aufgabe hatte sie sich auch schon in ihrer Abschlussarbeit befasst.

Sie freut sich, von ihrem Arbeitgeber übernommen worden zu sein. Schnell stand für sie fest, auch nach ihrem Studium in Lingen bleiben zu wollen. Die Studentin nennt Lingen ihre „kleine Großstadt“, in der sie alles hat, was sie braucht.

Die Kooperation zwischen den Unternehmen der Region und der Hochschule Lingen ist eine Erfolgsgeschichte. Das gesamte Emsland profitiert von dem Studienangebot in der Stadt. Abiturienten bleiben durch die Hochschule in der Region oder ziehen sogar nach Lingen, um hier zu studieren und gleichzeitig in den Unternehmen ausgebildet zu werden. Mitarbeiter, die einen Ausbildungsberuf gelernt haben, können in Lingen berufsbegleitend studieren.

Genauso wichtig sind die Kooperationen der Unternehmen mit den Berufsbildenden Schulen vor Ort. „Ich bin durch einen Vortrag von BP bei mir an der Schule zum Unternehmen gekommen“, sagt Larissa Arnkens Kollege, Christof Thies, der gerade zum Chemikanten ausgebildet wird. „Als ich in der siebten Klasse war, kam ein Azubi von BP vorbei und hat vorgestellt, was er macht“, erinnert er sich. Der heute 18-Jährige fand gleich Gefallen an dem Berufsfeld und absolvierte zwei Jahre später sein Schulpraktikum genau in diesem Bereich. Heute steckt er mitten in der Ausbildung zum Chemikanten bei BP. Gerade beginnt die Phase seiner sogenannten Schwerpunkt-Ausbildung. Hier spezialisiert er sich in zwölf bis achtzehn Monaten für einen bestimmten Bereich innerhalb der Raffinerie. Thies wird Spezialist für das Tanklager.

Larissa Arnken und Christof Thies werden – genau wie alle anderen rund 60 Auszubildenden der BP Lingen – während ihrer Ausbildung von Volker Suresch, dem Ausbildungsleiter des Standorts begleitet. Suresch hat vor 34 Jahren selbst als Azubi im Berufsfeld Chemiefacharbeiter bei BP angefangen und betreut die heutigen Azubis jetzt schon seit vielen Jahren. „Wir entscheiden hier sehr unbürokratisch, ob wir Plätze für duale Studiengänge schaffen. Die Ausbildung ist beliebt und wir können nach Bedarf im Bereich Prozesstechnik, Elektrotechnik, Ingenieurwesen und BWL einstellen.“

Den Studiengang Chemische Prozesstechnik, den Sureschs duale Studentin, Larissa Arnken, gerade erfolgreich beendet, hat er vor acht Jahren selbst mit ins Leben gerufen. „Die Einführung des Studiengangs war damals eine Reaktion auf den steigenden Bedarf nach diesen speziell ausgebildeten Fachkräften in der Region“, erinnert sich Suresch. Die Ansprechpartner an der Hochschule kennt er fast alle persönlich und die Lingener Unternehmen stehen im regelmäßigen Austausch mit der Hochschule.

Die Studiengänge und Ausbildungsplätze am Standort ziehen junge Menschen aus ganz Deutschland an. „Wir begrüßen hier immer wieder 18-, 19-jährige junge Leute, die für eine Ausbildung bei uns 500 km weit von ihrer Heimat wegziehen. Da unterstützen wir nicht nur bei Fragen zur Ausbildung, sondern auch bei der Wohnungssuche und beim Einleben in Lingen – das ist ganz wichtig“, erklärt der Ausbildungsleiter. Dabei hilft auch das Begrüßungsgeld, dass die Stadt jedem neuen Studierenden und allen Auszubildenden zahlt, die neu nach Lingen ziehen.

Die gute Ausbildungssituation bei der Lingener BP und den Unternehmen des IndustriePark Lingen ist kein Zufall. Lingen ist bei Unternehmen und Arbeitnehmern gleichermaßen beliebt. Als eine der wenigen ländlichen Regionen Deutschlands, wird der Region auch für die nächsten 15 Jahre ein Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum vorhergesagt.

Renate Klingenberg

Renate Klingenberg

Die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende braucht Engagement und innovative Lösungen. Das ChemCoast-Netzwerk setzt auf die vorhandenen Stärken der Region, um mit dem Projekt Windwasserstoff seinen Beitrag zu leisten.

Renate Klingenberg Geschäftsführerin ChemCoast e. V.